Geboren
1978 in Hawaii
Lebt in
Los Angeles
Herkunft
1/2 Weiß, 
1/4 Hispanisch
1/4 Chinese
Shoots
Mar, Apr 2000
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Man erinnere sich an John Berry, Kalifornier indianischer Abstammung, den ich auf einem Rave Silvester 2000/2001 kennengelernt habe. Er war ja schon bei einer Modelagentur (Bleu Models) eingeschrieben und bekommt regelmässig Aufträge. Als er unsere Ergebnisse seinem "Booker" bei Bleu Models L.A. vorlegte, haben die mich angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte, andere Models von Ihnen zu "testen", wie man sagt. Das mussten sie mir nicht zweimal sagen, und eine Woche später stand Joey Awong vor meiner Kamera.
 

Joey ist, wie so wieviele Amerikaner, ein Produkt vieler Rassen. Sein Grossvater väterlicherseits ist Chinese, daher hat er auch seinen Nachnamen "Awong" und den leicht asiatischen Einschlag in seinen Augen. Der Rest ist mexikanisch und weiss. Joey ist in Hawaii aufgewachsen und daher ein waschechter Surfer. Das Wasser in Los Angeles sei zu kalt, lästerte er. Junge sind das verwöhnte Menschen. Er sollte man in der Nordsee surfen, das würde ihn lehren, was kaltes Wasser ist.
 

Joey war eines meiner letzten Models in meiner Zeit in Los Angeles. Wenige Wochen später flog ich ab, ich hätte gerne noch ein paar "Blue"-Models" "interpretiert". Wir trafen uns innerhalb zehn Tagen für zwei Shoots. Das erste mal hatte er längere, krause Haare, das zweite mal die Haare auf Anraten seiner Agentur fast abrasiert. Ein völlig anderer Mensch! Und in der Tat wurde er, wie er mir später mitteilte, mit kürzeren Haaren viel öfter gebucht als mit längeren, die ihm einen Latino-Touch gaben.
 

Joey ist also "professionelles Model". "Professional" heisst in Amerika nicht, dass man es gut oder richtig macht, sondern, dass man davon leben kann, oder wie man flapsig sagt, "it pays my rent" (ich bezahle damit meine Miete). Während es bei John Berry und Joey Awong tatsächlich zutreffen mag, habe ich viele "Pretenders"  kennengelernt, das sind Leute, die nur vorgeben, dies und das zu sein. Vor allem in LosAngeles/Hollywood, wo Schauspielerei (besser: Ständiges Sich-Verstellen und Gegenseitig-etwas-Vormachen das Hauptmetier ist, will jeder mitspielen. Jeder, der einigermassen aussieht, behauptet auf Frage, was er denn beruflich mache, ganz automatisch "I am a model". Wer nicht ganz so gut aussieht, aber immerhin jung ist, sagt "I am an actor", und für die, bei denen beides völlig unglaubwürdig wäre, gibt es noch "I am a producer", oder sogar "I am a director". 
 

Das ganze ist oft so lächerlich aufgesetzt, dass sich eine Redewendung eingebürgert hat: Auf die Aussage "I am an actor", frägt man automatisch zurück: "Oh, which restaurant are you working at?" - Das hat einen banalen Hintergrund: Die, die es tatsächlich zu einer Modelagentur geschafft haben (was noch lange nicht heisst, dass sie auch gebucht werden, also bezahlte Aufträge erhalten), müssen tagsüber "on call" sein, also Anrufe entgegennehmen können und sofort verfügbar sein. Folglich können sie keine Jobs annehmen, für die sie tagsüber arbeiten müssen. Also müssen sie abends und am Wochenende arbeiten, und dafür sind Kellnertätigkeiten ideal.

Eine Folge davon ist, dass Los Angeles mit die am bestaussehendsten Bedienungen hat, die ich jemals in Restaurants gesehen habe. Dieser optische Genuss ist ein angenehmer Nebeneffekt, wenn man Essen geht - für viele überhaupt der Grund, Essen zu gehen. Es soll Leute geben, die das Resturant danach auswählen, wie hübsch die Waiters, die Bedienungen, sind.

Über Modelagenturen: Betritt man eine Modelagentur, dann weht einem oft ein kühler Wind entgegen. Ich weiss nicht warum, aber viele Agenturen und Booker sind unfreundlich, launisch und kühl, und ich habe mehr als einmal bemerkt, dass es ein eigentlich netter Mensch sich mit grosser Anstrengung bemühte, so unfreundlich zu sein. Sie wollen wohl die Botschaft vermitteln, dass man etwas von ihnen will und sie auf die Models/Fotografen nicht angewiesen sind. Sehr professionell.

"Open calls" sind eine Art Sprechstunden, die sich jede Agentur leistet, in dem Modelanwärter ohne Termin hingehen können, ihre Bilder vorzeigen können und dann mitgeteilt bekommen, ob sie in Frage kommen können. Bei einem open call, in denen ich zugegen war, wurden einigen Jungs und Mädels, die sich auf diese Weise beworben haben, regelrecht ausgelacht. Ich war dort mit Ty Peterson (auch auf dieser Seite), und als er dies gesehen hat, hat er, dieses Goldstück, den Kopf geschüttelt, ist aufgestanden und hat die Agentur mit Ekel verlassen. 

Ich bin der Ansicht, daß eine gute Agentur ebenso freundlich, fair und zuverlässig zu seinen Modellen sein muß, wie sie es selbst von anderen  erwartet. Nur mit solchen Agenturen arbeite ich zusammen.

Zurück zu Joey - Da er erst vor kurzer Zeit von Hawaii nach Los Angeles gekommen ist (eine zweifelhafte Entscheidung), ist er noch nicht verdorben, sondern ehrlich und grundanständig.  Immer pünktlich, immer zurückgerufen, immer freundlich und respektvoll, mit viel Einsatz, Eifer und Cleverness während der Shoots.

Apropos Cleverness - da fällt mir gerade noch eine Situation ein: Ich habe es gerne etwas ruhiger beim Shoot, viele Leute drumrum, die blöd gucken, das ist nichts für mich. Die besten Fotos entstehen in Einsamkeit. Während unseres ersten Shoots bogen wir vom Sunset Blvd in eine Strasse ein, die sich später als Privatstrasse entpuppte. War für mich von einer normalen Strasse nicht zu unterscheiden. Es war in einem Creek, mit einem kleinen Bach. 

Nach 20min kam plötzlich ein Mann auf uns zugestürzt und riss mir förmlich die Kamera aus der Hand. Er war ein Security-Beamter (der ehrenvollste Beruf, den ich kenne - das war Ironie). Er glaubte wohl ich würde die Leute ausspionieren oder die Gegend unsicher machen, obwohl eigentlich sehr einfach zu sehen war, dass ich Joey fotografierte (der gerade in Shorts vor einem Brückchen stand) und nichts anderes.

Wenn ich bei einem erfolgreichen Shoot, in dem gerade die Atmosphäre zwischen Fotograf und Model stimmt, auf so barsche und dumme Weise gestört werde, reagiere ich sehr ungehalten und mit hitzigen Diskussionen. Joey aber - clever - rettete die Situation, in dem er vorgab, wir seien beides UCLA-Studenten und arbeiteten gerade an einem Portrait-Projekt in der Natur. Da die UCLA (die Universität von Los Angeles) einen sehr guten Ruf hat, und Joey es cool vortrug, beruhigte sich unser Security Freund schnell und gab mir die Kamera zurück. 

Ein Glück! Sonst hätte ich meine Kamera nicht mehr, MalePerceptions wäre zu Ende, und die Bilder von Joey würden vermutlich im Schlafzimmer des Security-Beamten hängen.
 
 


 

Viele weitere Bilder, auch von unserem zweiten Shoot - Joey hatte wesentlich längere Haare - gibt es auf der MalePerceptions CD. 

 
 
MalePerceptions 1999-2001 
 since 08 Nov 2001. 
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